Mein Hund ist nur Durchschnitt

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Erinnert ihr euch noch an den Linzer Juniormarathon im April 2016? Ein Großteil von euch hat sicherlich die Bilder gesehen, wie Eltern ihre Kinder ins Ziel zerrten und zogen, einige von ihnen fingen an zu weinen (also die Kinder, nicht die Eltern…). Dabei sollte es eigentlich nur eine schöne Veranstaltung werden, die den 3-4-jährigen Kindern das Thema Sport näher bringen sollte: ein kurzer Lauf über 40 Meter. Die Eltern durften die Kinder begleiten, damit diese nicht ganz alleine laufen mussten, als mentale Unterstützung sozusagen.

Leider packte viele Eltern der Ehrgeiz und somit wurde aus der mentalen eine etwas zu gut gemeinte körperliche Unterstützung. Dabei wurde deutlich: Viele Eltern übertragen die Leistung ihres Kindes auf sich selbst. Sie benutzen ihre Kinder um sich selbst einen Erfolg zu verschaffen, die Kinder sind dabei nur Mittel zum Zweck. Die Leistung ihrer Kinder verkörpert ihre eigene. Und man denkt sich nur: Wie verrückt ist es, ein schwaches Selbstbewusstsein durch einen Erfolg des Kindes bei einem Mini-Marathon über 40 m stärken zu wollen?

Wie das Herrchen, so der Hund – oder andersrum?

Dabei stelle ich aber immer wieder fest, dass auch wir Hundebesitzer uns selbst offenbar über unseren Hund definieren. Das fängt schon mit dem Aussehen an! Jeder von uns kennt doch dieses Buch mit Gegenüberstellungen von Bildern von Hunden und ihren Herrchen, die sich einfach unfassbar ähnlich sehen. Und auch in diversen Zeitungen habe ich schon gelesen, dass man sich (unbewusst?) Hunde aussucht, die einem selbst ähneln. Kurzhaarige Frauen wählen eher kurzhaarige Hunde, den „Pumpertypen“ sieht man gerne mal mit einem stolzen Boxer umherlaufen. Auch was den Charakter betrifft, suchen wir uns selbst Hunde, die unseren eigenen Charakter widerspiegeln. Vom lieben, treuen Golden Retriever über den süßen, kleinen Chihuahua bis hin zum eher einzelgängerischen, unabhängigen Beagle.

Hundenamen - von Alchimedes über E.T. bis Gaylord

Aber hier hört es nicht auf. Wenn ich nur einmal das Stichwort „Ausgefallene Hundenamen“ nenne, fallen euch mit Sicherheit gleich ein paar Beispiele ein. Mein Highlight: Ein schokobrauner Labrador namens „Einstein“, von seinen Besitzern liebevoll „Eini“ genannt. Mein Hund ist schließlich nicht irgendein Hund – es ist MEIN Hund und er ist etwas Besonderes, also hat er auch keinen Allerweltsnamen. Wenn ich jedoch ganz besonders individuell bin, gebe ich ihm wiederum vielleicht sogar mit Absicht einen Namen wie „Max“ oder „Bello“, was ja schon fast wieder retro ist.

Wenn ihr selbst Hundebesitzer seid, hattet ihr vielleicht auch schon einmal das befremdliche Erlebnis, ein Bild eines Hundes zu sehen, der exakt so aussieht wie euer Hund. Ich bin jedes Mal sehr irritiert, wenn mir das im Internet passiert – schließlich ist mein Goldie doch einmalig!

Und auch beim Thema Hundesport, wie Apportieren oder Obedience, frage ich mich manchmal, inwiefern dieser noch der tatsächlichen Beschäftigung des Hundes dient und ob es nicht vielleicht auch hier  - ganz wie beim Linzer Juniormarathon – darum geht, sich selbst zu profilieren.

Mein Hund ist dumm – und das ist okay so

Um euch zu zeigen, was ich mit diesem Artikel sagen möchte, will ich euch zu guter Letzt eine kurze Geschichte erzählen: Meine Cousine hat einen sehr intelligenten Hund. Er lernt sehr schnell Kommandos, im unbeobachteten Moment klaut er sich alles Essbare, was nicht niet- und nagelfest ist und trickst gerne auch mal seine vierbeinigen Gefährten aus. In einem Gespräch sagte meine Cousine zu meiner Oma, mein Hund (ein 4-jähriger Golden Retriever) sei ja nicht so intelligent. Meine Oma war sehr empört und konnte gar nicht glauben, dass sie so etwas sagte.

Aber was soll ich sagen: Sie hat Recht. Mein Golden Retriever ist maximal durchschnittlich intelligent. Einmal habe ich einen Intelligenztest aus dem Internet mit ihm gemacht. Man solle eine Übung machen und wenn der Hund sie nach dem 3. Male verstanden habe, sei er intelligent. Nun ja, nach dem 15. Mal habe ich aufgegeben.

Ein anderes Mal habe ich ihm eine Bockwurst gegeben. Er hat sie draußen in den Garten getragen und angefangen darauf rumzukauen. Leider war die Pelle noch daran und offenbar ließ sich diese Wurst so einfach nicht zerkauen. Also fand er die einzig passende Lösung: Er bellte die Wurst gnadenlos an.

Mein Hund ist nicht nur durchschnittlich intelligent. Er ist auch nur durchschnittlich mutig. Als er nach seiner Kastration einen Trichter um den Hals tragen musste und damit direkt nach der Operation gegen eine Wand gelaufen ist, hat er sich daraufhin einfach 15 min lang nicht mehr bewegt. Er war auch noch nie in unserem Keller, weil… naja… wer weiß, was dort auf ihn wartet? Ins Wasser geht er nur bis zum Bauch. Und das, obwohl doch Golden Retriever angeblich so schwimmfreudig sind.

Und wisst ihr was? Das ist vollkommen in Ordnung so. Denkt einmal daran, wenn euer Hund das nächste Mal in der Welpenschule wieder als letzter versteht, wie ein Trick funktioniert. Oder alle Hunde miteinander spielen, außer eurem. Oder er beim Agility der langsamste ist.