Apportieren lernen

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Der Golden Retriever wurde für das Apportieren von Wild gezüchtet. Seine Aufgabe ist es, dem Besitzer das geschossene Tier mit weichem Maul, also ohne es zu beschädigen, zu bringen.

Diese Veranlagung ist eine tolle Voraussetzung für einen besonders spannenden Hundesport – das Apportieren. Dazu wird ein so genannter Futterbeutel/-dummy mit Leckerlies (oder auch normalem Hundetrockenfutter) gefüllt und der Golden Retriever darauf trainiert, den Beutel zu bringen.

Oft werde ich während des Trainings mit unserem Goldie darauf angesprochen, was für eine tolle Beschäftigungsart das doch wäre. Im nächsten Satz folgt leider oft, dass das Apportieren mit dem Hund desjenigen „ja gar nicht klappen würde“. Ich denke, dass eigentlich jeder Hund (und besonders jeder Golden Retriever!) das Apportieren lernen kann. Die Probleme liegen vermutlich oft einfach bei Fehlern im Training – beispielweise einer zu reizvollen Umgebung oder dass der Futterbeutel nicht interessant gemacht wird. Daher hier meine Tipps für ein effektives Training, mit dem euer Hund Apportieren lernen kann:

Futterbeutel

Die Auswahl an Futterbeuteln ist groß, daher ist es gar nicht so einfach, den passenden Dummy zu finden. Ich habe für mich die Erfahrung gesammelt, dass ein Futterbeutel folgende Voraussetzungen erfüllen sollte:

Apportieren lernen

  • Abwaschbar: Der Futterbeutel sollte abwaschbar sein, da er beim Training draußen sowohl von außen dreckig wird, als auch von innen. Idealerweise ist er auch waschmaschinengeeignet, dann kann er alle paar Tage/Wochen gewaschen werden.
  • Reißverschluss versteckt: Der Reißverschluss des Futterdummys sollte versteckt sein, damit der Hund beim Apportieren lernen nicht darauf beißen und sich ggf. an den Zähnen verletzen kann. Gut geeignet sind dafür zusätzliche Klettverschlüsse, die aber möglichst einfach zu öffnen sein sollten.
  • Band: Toll, aber kein Muss, ist auch ein Band, das am Futterbeteul angebracht ist. Damit kann der Dummy ohne großen Kraftaufwand weit geworfen werden.
  • Gefüllt: Unserem Goldie gefällt es gut, wenn der Dummy leicht gefüllt ist. Dann ist er einfacher zu tragen und „wabbelt“ nicht im Maul herum.
  • Farbe: Wenn euer Hund noch nicht zuverlässig apportiert, solltet ihr erst einmal auf eine auffällige Farbe zurückgreifen, um den Futterbeutel im Notfall selbst wiederzufinden (insbesondere in hohem Gras, Gehölz,…). Später ist für den Hund eine gedeckte Farbe spannender und anspruchsvoller, da er sich dann tatsächlich komplett auf seine Nase verlassen muss.
  • Schwimmfähig: Wenn ihr möchtet, dass euer Hund auch das Apportieren im Wasser lernt, bietet sich ein schwimmfähiger Dummy an.
  • Meine Tipps: Mit folgenden Futterbeuteln habe ich gute Erfahrungen gemacht:

Abgesehen von diesen Tipps, testet ihr am besten selbst aus, welcher Futterbeutel für euch und euren Hund der beste ist.

Voraussetzungen für das Training

Folgende Voraussetzungen müssen zunächst einmal erfüllt sein, wenn ihr zusammen mit eurem Hund das Apportieren lernen wollt:

Apportieren lernen

  • Der Hund hat nicht direkt davor gegessen. Am besten nach dem Essen einige Stunden vergehen lassen, bevor mit dem Training begonnen wird.
  • Mit dem Training wird drinnen gestartet. Hier ist die Umgebung besonders reizarm, sodass der Hund nicht abgelenkt wird.
  • Am besten wird mit Geschirr und Leine trainiert.
  • Idealerweise beherrscht der Hund bereits das Kommando „Aus“ (= Gegenstand hergeben). Wenn nicht, ist dies aber auch eine tolle Möglichkeit, es ihm beizubringen.

Erst wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, solltet ihr mit dem Apportieren lernen beginnen.

Apportieren Schritt für Schritt

Zum Grundverständnis: Für den Hund ist es erst einmal nicht logisch, Futter abzugeben. Er muss erst einmal lernen, dass es sich lohnt, den Beutel mit dem Futter zu bringen und herzugeben, da er dann mit Futter belohnt wird. Hier nun eine Anleitung, wie man seinem Hund das Apportieren Schritt für Schritt beibringt:

Apportieren lernen Apportieren lernen

  1. Am besten wir der Futterdummy beim ersten Training mit etwas ganz tollem, gut riechenden befüllt, beispielsweise Fleischwurst.
  2. Um den Dummy noch interessanter zu machen, können wir auch etwas mit ihm spielen: wir bewegen den Dummy schnell auf dem Boden oder in der Luft hin- und her, sprechen mit ganz aufgeregter Stimme oder werfen (wenn wir zu zweit sind) den Dummy in der Luft hin und her. Hauptsache, es kommt Action in die Sache!
  3. Nun werfen wir dem Hund den verschlossenen Futterdummy hin und lassen ihn ausprobieren. Er kann daran schnüffeln, darauf rumkauen und lecken. Wenn er allerdings versucht, den Dummy kaputt zu machen (Pfote darauf stellen und zerren, zerreißen,…), dann nehmen wir ihn erst einmal weg und probieren es noch einmal. Sollte der Hund generell zu rabiat herangehen, kann man auch zunächst auf eine Plastikflasche ausweichen. Diese erfüllt den gleichen Zweck, ist aber nicht so leicht zu zerstören.
  4. Sobald der Hund den Dummy einmal ins Maul nimmt, versuchen wir sofort, ihn zu uns zu locken (mit freudiger Stimme, evtl. etwas vom Hund wegbewegen). Sollte er nicht verstehen, was gemeint ist, kann man ihn auch vorsichtig an der Leine heranziehen.
  5. Sobald er bei uns angelangt ist, loben wir ihn fordern ihn mit dem Kommando „Aus“ auf, uns den Beutel zu überlassen. Dies wird vielleicht nicht beim ersten Mal funktionieren, da es für den Hund an sich ja unlogisch ist, die Beute herzugeben. Schon bald wird er aber merken, dass es nur von Vorteil ist, uns den Beutel zu überlassen. Wir lassen ihn dann ein paar Brocken aus dem Beutel fressen. So verbindet er die Belohnung gleich mit dem Dummy. Am besten den Beutel immer nach unten hin wegnehmen, dadurch wird alles etwas ruhiger.
  6. Das Ganze wiederholen wir so lange, wie der Hund konzentriert und mit Spaß bei der Sache ist. Es sind immer wir, die das Spiel beenden. So bleibt das Training für den Hund spannender. Dabei können wir auch langsam ein Kommando einführen, wie beispielweise „Brings“, „Hols“ oder „Apport“.
  7. Einen größeren Teil Futter sollten wir immer bis zum Ende des Trainings im Beutel behalten. Frei nach dem Motto „Das Beste kommt zum Schluss!“ darf unser Goldie dieses dann nämlich direkt aus dem Beutel fressen. So bleibt das Training für ihn interessanter und er wird sich auch beim nächsten Training wieder auf den Beutel stürzen.
  8. In den folgenden Trainingseinheiten können wir auch nach Belieben einführen, dass sich der Hund immer hinzusetzen hat, bevor er das Futter bekommt. Idealerweise wirft er den Beutel außerdem nicht auf den Boden, sondern gibt ihn in die Hand. Dazu belohnen wir ihn tatsächlich nur dann, wenn er ihn direkt in die Hand gibt. Sollte er dies nicht tun, versuchen wir ihn durch Gesten darauf hinzuweisen und werfen den Beutel ansonsten auch einfach noch einmal, ohne belohnt zu haben.
  9. Wenn der Hund in der Wohnung zuverlässig trainiert, verlegen wir das Training nach draußen. Am besten führen wir das Training dazu zunächst im Garten oder an einer anderen Stelle, an der wenige Hunde, Menschen und Autos unterwegs sind, durch. Die Leine bleibt immer dran, um den Hund notfalls zu uns zu holen, falls er versucht, mit dem Beutel wegzulaufen.
  10. Erst wenn auch das klappt, können wir anfangen, an Orten mit mehr Reizen zu trainieren.
  11. Sollte euer Goldie zwischendurch einmal nicht mehr mitmachen, beispielsweise weil er durch andere Gerüche abgelenkt ist, dann nehmt euch einfach den Beutel und macht ihn nochmal interessant. Dazu könnt ihr ihn beispielsweise immer wieder hoch werfen, ihn hin- und herschwingen, ihn einer anderen Person zuwerfen und dabei auch mit aufgeregter Stimme sprechen. Sollte er allerdings anfangen, mich euch zu spielen, indem er mit dem Beutel wegläuft, dann solltet ihr ihn ignorieren.

Wenn man all diese Punkte beachtet und das Apportieren Schritt für Schritt angeht, sollte dem Apportierspaß eigentlich nichts mehr im Weg stehen!

Apportieren für Fortgeschrittene

Wenn euer Golden Retriever bereits die Grundregeln des Apportierens beherrscht und zuverlössig apportiert, kann man im Training auch variieren und das Apportieren für Fortgeschrittene ausprobieren:

Apportieren lernen Apportieren lernen

  1. Bleiben: Man lässt den Hund sitzen und bleiben. Nun wirft man den Beutel. Der Hund muss solange sitzen bleiben, bis wir ihm das Apportiersignal geben. Erst dann darf er losschießen.
  2. Beutel verstecken – Basis: Eine tolle Übung auch für Hobbyschnüffler! Wir lassen den Hund sitzen und bleiben. Dann gehen wir beispielsweise hinter einen Baum und lassen den Beutel dort fallen. Erst wenn wir wieder zurück sind, darf der Hund auf das Kommando hin loslaufen und suchen.
  3. Beutel verstecken – Varianten: Um das Verstecken schwieriger zu machen, kann man den Beutel auch beispielweise unter Laubhaufen verstecken und in niedrig hängenden Ästen aufhängen. So muss der Hund auf mehreren Ebenen denken. Eine andere Variante ist es, den Beutel etwas versteckt zu halten und anschließend hinter mehreren Bäumen herzugehen. Hinter einem lässt man dann unauffällig den Beutel fallen und lässt den Hund herausfinden, hinter welchem es war.
  4. Mehre Dummies: Besitzt man mehrere Dummies, kann man diese nacheinander werfen und holen lassen. Dazu lässt man den Hund wieder sitzen und bleiben. Dann wirft man die Dummies in zunächst komplett unterschiedliche Richtungen. Der Hund muss es gut sehen können. Dann stellt man sich neben den Hund und zeigt mit einer großen Geste auf den Dummy, der zuerst geholt werden soll, und gibt das Apportierkommando. Wenn er den Dummy gebracht hat, schickt man ihn gleich los zum nächsten Dummy. Sollte er dabei einmal aus lauter Eifer den falschen Dummy bringen, lobt und belohnt man nicht und lässt ihn einfach noch einmal sitzen und wirft den Dummy zurück. Dann zeigt man nochmal auf den richtigen Dummy. Aber bitte nicht schimpfen, es ist schließlich ein Spiel!
  5. „V-Übung“ : Man wirft den Dummy und stellt sich etwas vom Hund und dem Dummy entfernt hin. Statt den Hund nun direkt zum Dummy zu schicken, ruft man ihn erst einmal zu sich. Es folgt eine Belohnung und erst dann darf der Hund den Dummy holen.
  6. Stoppen: Für diese Übung muss der Hund bereits das Kommando „Stop“ beherrschen. Wir werfen nun den Beutel und schicken ihn los. Auf halbem Wege fordern wir ihn mit dem Kommando „Stop“ auf, stehen zu bleiben. Mit dem erneuten Apportierkommando lassen wir ihn erst dann den Beutel holen.

Dies sind nur einige Ideen zum Apportieren lernen für Fortgeschrittene. Lasst euer Kreativität einfach freien Lauf!